Bayrischer Landtag
Bild: Christoph Radtke, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

An die Mitglieder des Bayerischen Landtags

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die geplante Übertragung des Tarifergebnisses des TV-L auf die bayerischen Beamtinnen und Beamten mit einem Zeitverzug von sechs Monaten ist ein politisches Signal – und zwar ein denkbar schlechtes. Während Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder ihre Gehaltserhöhung bereits zum 1. April 2026 erhalten sollen, müssen bayerische Beamtinnen und Beamte bis in den Herbst warten. Das ist keine technische Verzögerung, das ist eine bewusste politische Entscheidung.

Besonders bitter ist diese Entscheidung für die Beamtinnen und Beamten in den Kommunen. Gerade sie tragen täglich Verantwortung dafür, dass der Staat vor Ort funktioniert: Sie organisieren Sozialleistungen, sichern öffentliche Ordnung, genehmigen Bauvorhaben, halten Bürgerdienste aufrecht und setzen politische Entscheidungen um. Sie sorgen dafür, dass Demokratie im Alltag erlebbar bleibt!

Und genau diese Beschäftigten sollen nun faktisch ein halbes Jahr länger auf eine Besoldungsanpassung warten als ihre tarifbeschäftigten Kolleginnen und Kollegen. Das wirkt wie eine stille Sparmaßnahme auf dem Rücken derjenigen, die den Staat tagtäglich am Laufen halten.

Noch schwerer wiegt das politische Signal dahinter: Während die Staatsregierung regelmäßig die Bedeutung leistungsfähiger Verwaltungen und starker Kommunen betont, zeigt sie bei der Besoldung ihrer eigenen Beamtinnen und Beamten eine erstaunliche Zurückhaltung. Wer permanent von Wertschätzung spricht, darf sie nicht ausgerechnet bei der Bezahlung vermissen
lassen.

Die Verwaltungen stehen ohnehin unter enormem Druck. Fachkräftemangel, immer komplexere Aufgaben, wachsende Erwartungen aus Politik und Gesellschaft – all das gehört längst zum Alltag. In dieser Situation brauchen die Beschäftigten keine Verzögerungstaktik, sondern Verlässlichkeit und Respekt.

Die sechsmonatige Verschiebung sendet jedoch das Gegenteil: Sie vermittelt den Eindruck, dass Beamtinnen und Beamte als finanzielle Puffer im Haushalt betrachtet werden. Das ist kurzsichtig und gefährlich. Denn die Attraktivität des öffentlichen Dienstes entscheidet sich nicht in Sonntagsreden, sondern in konkreten politischen Entscheidungen.

Die bayerische Staatsregierung sollte ihre Entscheidung daher dringend überdenken. Eine zeitgleiche und vollständige Übertragung des TV-L-Ergebnisses auf die bayerischen Beamtinnen und Beamten wäre nicht nur sachgerecht, sondern auch ein notwendiges Zeichen des Respekts gegenüber denjenigen, die den Staat vor Ort tragen.

Wertschätzung zeigt sich nicht in Worten – sondern in Entscheidungen.

Mit freundlichen Grüßen

A. Abt
Landesvorsitzender
komba gewerkschaft bayern

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